Denkmale verschwinden über Nacht

Stadtrat Frieder Jentsch: Hartmann-Halle erhalten - Thema heute im Bauausschuss - Schornstein abgerissen


Die sächsische Maschinenfabrik, vormals Richard Hartmann AG, um 1860.    -Repro - Privat

Das Thema Hartmann-Halle erhitzt weiter die Gemüter. Jetzt meldet sich PDS-Stadtrat und Geschichtskenner Frieder Jentsch zu Wort. Seine Meinung: "Es ist empörend, dass wir Abgeordneten erst aus der "Freien Presse" erfahren müssen, dass solch ein Industriedenkmal wie die Hartmann-Halle mit ihrer ganz typischen Industriearchitektur abgerissen werden soll." Und er fügt hinzu: "Ich werde mich heute im Planung-, Verkehrs- und Bauausschuss zu Wort melden."
  Erst dieser Tage hatte Jentsch in seiner Funktion als Leiter der Kustodie der Technischen Universität Chemnitz mit Studenten der Bergakademie Freiberg, Studiengang Industriearchäologie, die Hartmann-Halle an der Fabrikstraße im Rahmen einer Vorlesung zur Industriedenkmalpflege besucht. Auch die Studenten konnten nicht fassen, dass solch ein Sachzeugnis, das man sonst mit der Lupe suchen muss, dem Erdboden gleichgemacht werden soll. Ihr Vorschlag: Die Halle mit vertretbaren Mitteln wieder so herzurichten, dass sie nicht weiter verfällt und zum Beispiel als Jugendzentrum (Kino und eine Sporthalle seien ja in der Nähe) - zu nutzen.  

  

  Ein Vorschlag, den sich Jentsch gut vorstellen kann. Doch er möchte heute im Ausschuss noch einen Schritt weiter gehen und fragen: Wie geht die Stadt mit ihren Denkmalen um? Welcher Ausschuss ist für Denkmale zuständig? Und: Ist es wirklich günstig, dass Amt für Denkmalpflege dem Baudezernat zuzuordnen. "Ich meine nein, denn die einen wollen erhalten, die anderen bauen." Seine Unzufriedenheit basiere darauf, dass Denkmale über Nacht abgerissen wurden, so Jentsch. Ein Hartmann-Zeugnis musste bereits dran glauben: Die Esse, die sich auf dem Gießerei-Gelände Beyerstraße 2 befand. Mit dem Abwickeln von Kfz-Elan, das zu DDR-Zeiten dort seinen Standort hatte, verschwand der Schornstein. Jentsch: "In der DDR ist die Hartmann-Halle krank geworden, also verfallen, nun soll sie tot gemacht werden." (ER)  

Die Säulenkapitel sind noch richtig aus Hartmannschen Zeiten                            Auch der Portalkran ist noch original vorhanden                     Fotos: A. Truxa

Quelle: Freie Presse - 05.02.2002

Aktie der Aktien-Gesellschaft
Sächsische Maschinen-Fabrik zu Chemnitz
Repro: ps-consult GmbH Chemnitz