Ämterbericht zu hochtrabenden Plänen der „Gesellschaft zur Förderung der Musikkultur“ 
fällt vernichtend aus

Für heiße Diskussionen sorgte am Dienstag das Konzept zur kulturellen Umnutzung der Hartmann-Fabrikhalle, das die „Sächsische Gesellschaft zur Förderung der Musikkultur“ nochmals vorm Kulturausschuss präsentierte. Hintergrund: Im März hatte der Ausschuss Vereinschef Ronald Dietze den klaren Auftrag erteilt, sein bislang als abgehoben und realitätsfern bewertetes Fünf-Millionen-Euro-Vorhaben einer Multifunktions-Halle (Film, Musik, Theater) durch Geldgeber finanziell zu untersetzen oder schlicht abzuspecken. Im „überarbeiteten“ Konzept, das Dietze den Ämtern inzwischen vorlegte, hat er diese Forderung offenbar nicht beherzigt. Entsprechend vernichtend fiel Dienstag der Verwaltungsbericht aus.

„Es entsteht der Gesamteindruck, dass die SGFM e.V. in Form eines Perpetuum mobile versucht, ohne Eigenmittel und Bankmittel nur mit Hilfe der öffentlichen Hand, dieses Projekt zu beginnen, damit dessen Realisierung unumkehrbar wird“, schrieben die Fachabteilungen der Ämter. Im Klartext: Weder hat der Verein eine Bank als Finanzierungspartner gefunden, noch hat man sich um die nötigen Eigenmittel bemüht.  Nein, im Finanzkonzept schlägt der Verein einen ganz anderen Plan vor. Er spekuliert nicht nur auf 3,75 Millionen Euro Fördermittel aus dem EU-Industriebrachensanierungsprogramm - ein Fördertopf, der längst ausgeschöpft ist -, in Sachen Eigenanteil hofft Dietze auch noch auf die Spendierhosen der Stadt. Die knapp 80.000 Euro, die der Verein selbst zuschießen müsste, erwartet er als „Anschubfinanzierung“ der Kommune.

Trotz des offenkundigen Luftschloss-Charakters ihrer Pläne fanden die „Förderer der Musikkultur“ im Ausschuss Fürsprecher. Der vehementeste von ihnen: CDU-Stadtrat Harald Krause. „Ich werde bis zum letzten für den Erhalt der Hartmann-Halle kämpfen. Wenn es sein muss, eben zusammen mit so ein paar Verrückten“, wetterte er. Nach der markigen Kampfansage beeilte sich Kulturbürgermeisterin Barbara Ludwig klarzustellen, dass die Alternative ja längst nicht mehr Vereinskonzept kontra Abriss heiße. Schließlich gibt es laut Verwaltung inzwischen Investoren-Interesse an der Halle. In einem Fall sogar böte sich dem Verein die Option, weiter in der Halle zu arbeiten. Doch macht sich Krause lieber für die Vereinsträume stark: Nicht neue Diskotheken brauche Chemnitz, sondern innovative Jugendideen, die sich abheben „von der ganzen Schnabeltassenkultur“ (Krause), die die Stadt derzeit fördere. Erneute Belehrung durch Bürgermeisterin Ludwig: „Wenn ich mich recht entsinne, wurden die Entscheidungen zur Kulturförderung von ihnen getroffen - und das einstimmig.“

Als Beispiel für innovative Belebung des Kulturlebens fiel Krause prompt das Splash-Festival ein. Solche Akzente brauche die City. Richtig! So urteilt man auch in der Verwaltung, doch sei der Vergleich mit den „Musikförderern“ schräg: „Finanzielle Förderung durch die Stadt hat es für Splash nie gegeben. Das ist eine reine privatwirtschaftlich organisierte Sache“, stellt Rathaussprecher Andreas Bochmann klar. Viel Aktion und Zigtausende Besucher ohne Finanzspritze der Stadt also - im Gegensatz zur Bilanz der Splash-Macher wurde in der Hartmannhalle dagegen noch nichts geboten, obwohl die Stadt dem Verein die Halle bereits vor zwei Jahren überantwortete. Laut Verein wurde die Halle nur für Sitzungen genutzt. Ganz nebenbei traf sich auch Harald Krauses Jazzclub in den Räumen - zumindest bis November vorigen Jahres. Dann knippste man den Vereinen das Licht aus. Die Stromanlage war nur leihweise von einem Unternehmen zur Verfügung gestellt worden. Und für die halbjährliche Leihgebühr von 125 Mark musste die Firma Schaar der „Sächsischen Gesellschaft zur Förderung der Musikkultur“ jedes Mal hinterher laufen.

Ein Entscheid zur Zukunft von Hartmann-Halle und ihrer Nutzung steht noch aus.

(eu)

 

Quelle: Freie Presse - 06.06.2002