Kulturausschuss berät zu Sorgenkind Hartmann-Halle

Musik-Förderverein soll neues Konzept vorlegen -
Kunstwissenschaftler Tilo Richter: Prima Domizil für Veranstaltungen mittlerer Größe

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Von Eveline Rössler
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Endlich ist es soweit: Das Thema Sorgenkind Hartmann-Halle kommt morgen auf den Tisch des Kulturausschusses. Bereits im Januar hatte CDU-Stadtrat Harald Krause Kulturdezernentin Barbara Ludwig darum gebeten, doch die Ladungsfristen verlangten Aufschub.
  Wichtig ist, dass die Halle an der Fabrikstraße als Denkmal erhalten wird, sagt Krause. Schon lange setze er sich mit Denkmalschützern dafür ein, weil dies "Ex-Produktionshalle von Richard Hartmann das einzige Zeugnis ist, das noch vom Gründer des größten sächsischen Unternehmen im 19. Jahrhundert existiert."
  Bereits vor gut zwei Jahren war die Halle dem Verein zur Erhaltung der sächsischen Musikkultur in Erbpacht übertragen worden. Ende Januar allerdings beschloss man in einer OB-Beratung, kein Geld mehr in die Hartmann-Halle zu stecken, weil der Verein noch nichts weiter getan hatte, wie Bürgermeister Frank Motzkus sagt. 
  Harald Krause hofft nun, dass der Verein am Donnerstag ein Konzept vorlegt: "Ein tragbares Konzept. denn mit Träumereien kommen wir nicht weiter". So ähnlich sieht es auch Formgestalter Clauss Dietel, der sich für Erhalt und weitere Nutzung der Halle einsetzt. "Trotz der Umbauten ist die typische architektonische Gestaltung des Zeitalters der industriellen Revolution erhalten geblieben", urteilt Dietel. Selbst aus der Schweiz kam Post zum Thema Hartmann-Halle.

 
 
 
 
 
Der Chemnitzer Kunstwissenschaftler Tilo Richter machte sich für eine Nutzung für Kulturveranstaltungen mittlerer Größe stark: "Die gibt es so noch nicht in der Stadt" und schon gar nicht in der City. Richter hofft, dass dieses Unterfangen jetzt bessere Karten hat.
  Ronald Dietze, Vorsitzender des Musik-Förderverein, sieht der Tagung des Kulturausschusses mit Zuversicht entgegen. "Weil wir uns von Ideen-Gespinsten verabschiedet haben und unser Verein ein Konzept vorlegt, das machbar ist - sozusagen als Minimalvariante."
  Zunächst geht es darum, die historische Halle auszubauen, beispielsweise eine visuelle Öffnung der alten verschlossenen Industriehalle vorzunehmen. Nutzen will man die Halle künftig als "Kulturproduktionsstätte" - samt Bühne, Saal, Foyer, Kaffeebar, Büro und Regie-Studio. Als Gewerbeansiedlungen seien Kulturmanagement, Kulturbetriebe, Medienunternehmen denkbar. Aus Sicht von Dietze schaffe das Projekt gute Synergieeffekte und eine hervorragende Ergänzung zum bestehenden Umfeld der Sporthalle am Seeberplatz, zu Festplatz, Kino Figurentheater und Kneipenszene. Dietze: "Wir haben bereits eine Menge potentieller Mieter." Um das Projekt aber zum Laufen zu bringen, bedarf es aus seiner Sicht dreier Dinge: Einer definitiven Zusage der Stadt zur Erbpacht, eines Eigenbauantrages der Stadt, einer besseren Zusammenarbeit in Sachen Fördermittelvergabe.  

 

Quelle: Freie Presse - 20.03.2002