Die Freie Kreisstadt Mittweida, in reizvoller Landschaft im westlichen Teil von Sachsen gelegen, hält für Touristen viele Sehenswürdigkeiten bereit. Die Region ist verkehrstechnisch gut erschlossen und bietet durch ihre intakte Infrastruktur bemerkenswerte Standortvorteile.
Einen wesentlichen Anteil hieran hat die Fachhochschule Mittweida. 1867 von dem Mannheimer Ingenieur Carl-Georg Weitzel als Technikum Mittweida gegründet, hat sich zu einer bedeutenden Hochschule in Deutschland entwickelt. Hier studierten so berühmte Leute wie die Pioniere der Fahrzeugindustrie Alfred Horch und Friedrich Opel, ebenso Walter Bruch, der Erfinder des PAL-Fernsehsystems.
Mit Beginn des Wintersemesters 2002/2003 haben sich erstmals über 4000 Direktstudenten an der Hochschule eingeschrieben. Auf dem Campusgelände zwischen der Straße Am Schwanteich und der Leisniger Straße liegen mehrere zur Hochschule gehörende Einrichtungen. Aus der mehr kleinstädtischen Bebauung ragte bisher durch Größe und erhöhte Lage das Studentenwohnheim heraus. 

Mit dem Umbau des ehemaligen Wohnheims zu einem modernen, multifunktional nutzbaren Institutsgebäude umschließt es zusammen mit dem übrigen Gebäudeensemble einen U-förmigen Platz, der dem Campus zu einem identitätsstiftenden Zentrum verhilft.
1973 als Versuchsbau für Wohnheime entstanden, wurde der 5-geschossige Stahlbetonskelettbau nach Freizug durch das Studentenwerk von 1997 bis 1999 als Interimslösung für die Mensa genutzt. Das physisch und moralisch verschlissene Gebäude, bedurfte dringend einer Sanierung.
Der Umbau und die Umfunktionierung zu einem modernen Institutsgebäude mit den Fachrichtungen Mathematik, Physik, Informatik, Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften und Medien war ein folgerichtiger Schritt zur Ausbildung der Studenten für künftig anstehende Aufgaben in Wissenschaft, Wirtschaft und Technik. Mit der Neuplanung wurde das Büro Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten aus Dresden beauftragt.
Die Grundrissstruktur des Hauses folgte der ursprünglichen, mittigen Erschließung. Durch Neuanordnung der Treppenhäuser und durch Zusammenfassung nutzungsgleicher Räume zu Einheiten konnten unter Beibehaltung der Tragkonstruktionen und Geschossdecken neue architektonisch interessante Raumfolgen geschaffen werden. 
  

Durch den Rückbau um ein Vollgeschoss und die Zurücksetzung des 4. Obergeschosses zu einem Staffelgeschoss verringert sich die bis dahin bestehende Dominanz vom Gebäude. Neue Nutzflächen entstanden durch den Ausbau des ehemaligen Kellergeschosses und den Neubau des "Studio B". Der ehemalige lange Flur wird in den einzelnen Geschossen durch offene Kommunikationsbereiche unterbrochen. Der Eingangsbereich dient als Verteiler zu den einzelnen Fachbereichen.

Die Gestaltung der Fassade setzt sich durch eine vertikal bestimmte Gliederung der Räume im Gebäudeinneren fort und ermöglicht eine gute Orientierung. Von der Decke bis zum Boden reichende Glaspaneele versprechen eine belebte, helle und leichte Atmosphäre. An den nach Osten und Westen geschlossenen Kopfenden sind zum größten Teil die Sonderräume untergebracht, Im Norden befinden sich die übereinander angeordneten Rechenpools, denen im Süden die Konferenz-, Seminar- und Dekanatsräume gegenüber stehen. Institut und multimedialer Mehrzweckraum sind durch einen Verbindungsbau miteinander verbunden.
Für die Sanierung des Gebäudes einschließlich des Anbaus werden mit Unterstützung durch den Freistaat Sachsen 9,96 Mio. € zur Verfügung gestellt.

Mit der feierlichen Übergabe bekommt das Gebäude auch den Namen "Grunert de Jácome-Bau" verliehen. Kurt Grunert studierte um die Jahrhundertwende am Technikum Mittweida Maschinenbau und Elektrotechnik. Er schuf die Grundlagen zur industriellen Herstellung von Kupfer-Kunstseide. Seine Tochter heiratete den Diplom-Ingenieur Enrique Jácome, einen Absolventen der Ingenieurschule Mittweida. Die Stifterfamilie unterstützt die Ausbildung an der Hochschule und hat sich dadurch besondere Anerkennung und Verdienste erworben.
Frau Grunert de Jácome wird bei der Einweihung des Gebäudes anwesend sein und so ihre Verbundenheit zur Stadt Mittweida mir ihrer einzigartigen Bildungseinrichtung zum Ausdruck bringen.
 

Quelle: Bauen Wohnen Freizeit Heft 4 / 2002