Sporthallen-Einweihung an der Forststraße:
Polizeipräsident sorgt für Paukenschlag

Horst Wawrzynski rechnet auf närrische Weise mit Kultusministerium ab - 
Selbst engste Vertraute nicht eingeweiht - Heute Tag der offenen Tür

Wenig Minuten vor seinem spektakulären (Faschings-)Auftritt hatte CPSV-Präsident Horst Wawrzynski (M.) gemeinsam mit Landtagspräsident Erich Iltgen (l.) symbolisch den Schlüssel für die neue Halle von Züblin-Niederlassungsleiter Jürgen Wahl entgegengenommen.
 

Von Mario Schmidt

Für einen Paukenschlag sorgte Horst Wawrzynski, Chemnitzer Polizeipräsident und Vereinschef des Chemnitzer Polizeisportvereins (CPSV), während der gestrigen Einweihung der Dreifeldhalle an der Forststraße. Kurz bevor er seine Ansprache halten sollte, verschwand Wawrzynski plötzlich, um wenige Minuten später unter beschwingter Begleitung des Sächsischen Polizeiorchesters wieder aufzutauchen - im Narrenkostüm. Der CPSV-Präsident nutzte die Faschingszeit, um anhand einer witzigen und zugleich scharfen "Büttenrede" mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus abzurechnen. 
  Hintergrund der Aktion: In Vorbereitung des rund 2,8 Millionen Euro teuren Neubaus hatte das Dresdner Ministerium ständig neue bürokratische Hürden aufgebaut und Fördermittelzusagen immer weiter hinausgezogen ("Freie Presse" berichtete monate-, wenn nicht sogar jahrelang). Gestern war für Wawrzynski, der seinen Plan selbst vor den engsten Vertrauten im Präsidium geheim gehalten hatte, die Zeit gekommen: Mit seinen Versen forderte er die rund 250 geladenen Gäste immer wieder zu Szenenablaus heraus. Dagegen wirkte das Lächeln von Sachsen Innenminister Klaus Hardrath sowie Landtagspräsident Erich Iltgen phasenweise gequält.   
Der Vereinspräsident erinnerte u. a. daran, dass das Ministerium ursprünglich gar keine Mittel bereitstellen wollte:
Man behauptet, dass es sei,
'ne Halle für die Polizei.
Was nicht förderfähig wäre.
Statt Fachverstand war hier nur Leere.
Wer kann denn ernsthaft sowas mein',
die Polizei sei ein Verein,
der eingetragen im Register -
ich lieg' doch richtig Herr Minister?
Den nervenaufreibenden Papierkrieg bzw. die Dresdner "Mauertaktik" in Vorbereitung des Neubauprojektes nahm Wawrzynski noch bissiger aufs Korn:
Formalitäten, Stück für Stück, 
hielten auf, warfen zurück
in dem langen Zeitverfahren, 
dem wir unterworfen waren.

  

Im Ehrenamt und nur als Laien,
wir restlos überfordert seien.
Diese Wahrheit schnell erkannt,
sind gegen Wände wir gerannt.
Denn in den Ämter Stuben drinnen,
saßen die Puper und auch rinnen,
die Lafontaine, ganz ungeniert,
als Sesselfurzer tituliert.
Schallendes Gelächter brach in der neuen Halle aus, als der Chemnitzer Polizeipräsident beschrieb, im Kultusministerium einen Verantwortlichen ans Telefon zu bekommen.
Man wählt 'ne Nummer hört hinein.
Es tönt sodann: "Please hold the line."
Nach langem Warten eine schrille
Stimme unterbricht die Stille.
"Was wünschen Sie denn bitte sehr -
Herrn Meyer? Ach da ham' wir mehr."
Nachdem er identifiziert,
die Dame es dann dort probiert.
Bald darauf der kurze Satz:
"Tut mir leid, ist nicht am Platz."
"Dann bitte Müller-Lüdenscheid!"
"Ist im Urlaub, tut mir leid."
"Dann bitte ich Frau Ollenhauer."
Langsam wird die Dame sauer.
"Moment, ich rufe", sagt sie knapp,
Es tutet, tutet und ich hab'
mich zu gedulden weiterhin-
bis endlich sie ist wieder drin:
"Wie wäre es mit Herrn John?"
Ich frage nach, dann sagt sie frisch:
"Tut mir leid, der ist zu Tisch."
"Und wann kommt denn der Herr Klaus?"
"Tut mir leid, ist außer Haus.
Probieren Sie's in einer Stunde.
Ach nein, da ist ja Sitzungsrunde."
Sie sich in ihrem Langmut sonnte:
"Schön, dass ich Ihnen helfen konnte."
  Zehn bis zwölf Stunden hatte Horst Wawrzynski nach eigener Aussage an dem 23-seitigen Werk getüftelt. Wer die unter großen Leiden entstandene Halle begutachten möchte, kann das heute ab 10 Uhr beim Tag der offenen Tür tun.   

 

Abrechnung mit Kultusministerium

Mit einer spektakulären Einlage wartete Horst Wawrzynski bei der gestrigen Sporthallen-Einweihung an der Forststraße auf. Im Narrenkostüm hielt der Chemnitzer Polizeipräsident eine Büttenrede, in der er mit dem Sächsischen Kultusministerium abrechnete. Bei der Vorbereitung des Neubaus hatte das Ministerium ständig neue bürokratische Hürden aufgebaut.

Foto: Andreas Seidel  

Quelle: Freie Presse - 26.01.2002